Wie AI Präsentationen erschafft
Jetzt verstehst du, was AI-Präsentationen leisten — und wo sie schwach werden. Aber wie funktioniert es eigentlich? Was passiert im Computer, wenn du einen Präsentations-Prompt sendest?
Die drei Schritte vom Prompt zur Folie
Wenn du einen Prompt an einen Präsentations-Generator sendest, durchläuft die AI drei Hauptschritte:
Schritt 1: Text-Verständnis und Inhalt-Extraktion
Die AI »liest« deinen Prompt und versucht zu verstehen, was du brauchst. Das ist nicht trivial. Der Prompt »Geschäftspräsentation über ein neues Softwareprodukt für Startups. Zielgruppe: Investoren. Tone: Selbstbewusstsein und Innovation« ist für Menschen sofort klar.
Die AI muss diesen Text in Komponenten zerlegen:
- Thema: »Softwareprodukt«
- Zielgruppe: »Investoren« → bedeutet: Risk-Awareness, ROI-Fokus
- Tone: »Selbstbewusstsein, Innovation« → bedeutet: Farben wie Blau/Grün (Vertrauen), Layouts mit modernen Formen
Die AI hat gelernt, bestimmte Schlüsselwörter mit visuellen Mustern zu verbinden. »Investor-Pitch« aktiviert ein anderes Template als »Schulungsmaterial«. Das ist Sprachmuster-Erkennung, nicht echtes Verständnis.
Schritt 2: Layout und Struktur-Generierung
Nachdem die AI verstanden hat, was du brauchst, muss sie entscheiden: Wie viele Folien? Welches Layout für welche Folie?
Hier gibt es verschiedene Strategien:
- Typ-Klassifikation: »Das ist eine Titelfolie, eine Problemfolie, eine Lösungsfolie, eine CTA-Folie«
- Template-Zuordnung: Jeder Typ bekommt ein vordefiniertes Layout
- Sequenzierung: Die AI ordnet die Inhalte in logischer Reihenfolge
Das ist noch nicht Design. Das ist Struktur. Die AI sagt: »Folie 1: Text in der Mitte, großer Font.« »Folie 2: Drei Kästchen nebeneinander.« »Folie 3: Bild links, Text rechts.«
Das alles basiert auf Millionen von Präsentations-Beispielen, die die AI während des Trainings »sah«. Sie hat gelernt: Bei Investor-Pitches funktioniert diese Sequenz gut. Bei Schulungen diese. Bei Kreativ-Pitches jene.
Schritt 3: Visuelles Design und Asset-Auswahl
Jetzt kommt der »magische« Teil. Die AI muss visuell entscheiden:
- Welche Farben? (Farb-Palette-Generator)
- Welche Schriften? (Typografie-Regeln)
- Welche Icons oder Bilder? (Asset-Datenbank oder Generierung)
- Welche Effekte? (Animationen, Übergänge)
Für Farben nutzt die AI Farbtheorie-Prinzipien, die sie gelernt hat:
- »Investor-Pitch« → vertrauenswürdig → Blau, Grün, Weiß
- »Kreativ-Pitch« → energetisch → Orange, Pink, Kontraste
- »Schulung« → freundlich-klar → Hellblau, Grau, viel Whitespace
Für Bilder greift die AI auf ihre Trainings-Daten zurück oder generiert Bilder (wenn sie einen generativen Bildmodell hat). Sie wählt Bilder, die zum Tone passen — »Investoren-Pitch« = professionelle Geschäftsfotos, »Kreativ-Pitch« = experimentelle, bunte Bilder.
Warum Struktur einfach, Storytelling schwer ist
Hier liegt der Kern des Problems: AI kann Struktur sehr gut machen. Sie kann sagen: »Punkt 1 bekommt eine Folie, Punkt 2 auch, Punkt 3 auch.« Das ist mechanisch.
Aber AI kann nicht entscheiden: »Punkt 1 ist eigentlich die Spannung, Punkt 2 ist die Auflösung, Punkt 3 ist die Lehre.« Das erfordert emotionales Verständnis.
Beispiel: Du sagst, »Präsentation über unser Startup-Problem und unsere Lösung.« Die AI macht:
- Folie 1: Titel
- Folie 2: Das Problem (mit roten Bildern, warnenden Symbolen)
- Folie 3: Die Lösung (mit grünen Bildern, Sieg-Symbolen)
Das ist symmetrisch, es ist strukturiert. Aber es ist nicht spannend. Ein großartiger Pitch-Designer würde sagen:
- Folie 1-3: Problem sehr dramatisch darstellen (lange mit dem Schmerz verweilen)
- Folie 4: Erste Andeutung der Lösung (»Es gibt einen Weg«)
- Folie 5-6: Lösung langsam aufbauend zeigen (das Publikum »erlöst« es)
Das ist narrativ. Das ist Storytelling. Die AI kann das nicht automatisch generieren.
Die drei Aufgaben-Typen in Präsentationen
Nun verbinden wir dies mit deinen Erfahrungen aus K01-K06. Es gibt drei Aufgaben-Typen, die AI bei Präsentationen kann — und drei Schwachstellen:
Aufgabe Typ 1: Strukturierung
AI ist Meister darin, Inhalte zu strukturieren. Du gibst einen chaotischen Text: »Startup macht Software, hilft Unternehmen zu sparen, ist schnell, ist sicher, kostet X.« Die AI würde es so strukturieren:
- Folie 1: Was ist es? (Titel)
- Folie 2: Was ist das Problem? (das Schmerz-Problem)
- Folie 3: Wie hilft es? (Ersparnis, Geschwindigkeit, Sicherheit)
- Folie 4: Preis
- Folie 5: Call to Action
Das ist gut. Das ist hilfreich. Die AI ordnet das Chaos.
Aufgabe Typ 2: Visualisierung
AI kann visuell übersetzen. Du sagst: »Wir sparen Unternehmen 40% Kosten in 3 Monaten.« Die AI generiert eine Folie mit:
- Große Nummer »40%«
- Balkendiagramm zeigt Kosten-Vergleich
- Uhr zeigt »3 Monate«
Das ist keine Kreativität, aber es ist hilfreich. Die AI nimmt abstrakte Zahlen und macht sie visuell.
Aufgabe Typ 3: Kohäsion
AI kann Kohäsion über viele Folien hinweg aufrechterhalten. Sie stellt sicher, dass alle 20 Folien zusammenpassen — gleiche Farbpalette, gleiche Icon-Stile, gleiche Typografie. Das ist wertvoll. Menschen vergessen das oft.
Schwäche 1: Hierarchie verstehen
AI weiß nicht, was wirklich wichtig ist. Du hast 10 Punkte. Die AI wird versuchen, sie gleichberechtigt darzustellen. Ein guter Designer würde sagen: »Punkte 1, 2, 3 sind zentral. Punkte 4-10 sind Support. Diese müssen visuell unterschiedliches Gewicht haben.«
Die AI kann das nicht allein entscheiden. Sie braucht explizite Anweisung.
Schwäche 2: Emotional-visuelle Abstimmung
Die AI kann einen Ton »Selbstbewusstsein« lesen, aber sie kann die emotionale Tiefe nicht fühlen. Ein echter Designer für Investor-Pitches würde wissen: »Nach der Problemfolie braucht das Publikum Hoffnung. Also zeige ich jetzt die Lösung — aber nicht sofort. Lass sie atmen. Dann — boom — die Lösung.«
Die AI macht das nicht. Sie strukturiert, aber sie orchestriert nicht.
Schwäche 3: Kulturelle Kontextualisierung
Die AI kennt »Standard-Muster«, aber sie kennt nicht die Kultur deines spezifischen Publikums. Wenn du einer deutschen Bank eine Präsentation machst, braucht es Gravitas und Präzision. Wenn du einem kalifornischen Tech-Startup eine Präsentation machst, braucht es Energie und Irreverenzkenz.
Die AI wird etwas Neutrales machen — es funktioniert für beide, aber es glänzt für keine.
Der Unterschied zwischen »funktioniert« und »wirkt«
Ein wichtiger Unterschied:
- Eine Präsentation, die »funktioniert«, übermittelt Information. Der Zuschauer versteht deinen Punkt.
- Eine Präsentation, die »wirkt«, übermittelt Information + Emotion + Überzeugung. Der Zuschauer fühlt etwas.
AI kann »funktionieren«. AI kann »wirken« nur, wenn du ihr sehr explizit sagst, wie.
Beispiel: Du willst, dass deine Investor-Pitch-Folie 5 zum Publikum sagt: »Hier ist der Moment, in dem alles möglich wird.« Die AI kann das nicht aus dem Nichts generieren.
Aber wenn du sagst: »Folie 5: Lösung. Ton: Ein Moment der Hoffnung. Visuell: Großes Bild, Licht bricht durch.« — dann wird die AI etwas machen, das dem nahe kommt.
Cross-Links: Vergleich mit K01-K06
Erinnere dich an die Theorie-Lektionen aus den anderen Clustern:
- K01 (Text-Theorie): Text ist linear. AI versteht Sequenz leicht. Aber Emotion im Text ist schwer für AI.
- K02 (Musik-Theorie): Musik hat Zeit-Dimension. AI erzeugt zeitliche Abfolge, aber emotional-psychologische Spannungsbögen sind schwer.
- K03 (Bilder-Theorie): Bilder sind statisch. AI kann visuelles Design, aber nicht sequenzielle Erzählungen.
- K04 (Video-Theorie): Video ist Zeit + Raum. AI kann interpolieren, aber narrative Arcs sind schwer.
- K05 (Audio-Theorie): Audio ist Ton + Zeit. AI kann Strukturen, aber »Stimme« ist schwer.
- K06 (Code-Theorie): Code ist Logik. AI versteht Strukturen, aber kreative Lösungen sind schwer.
K07 (Präsentationen): Präsentationen sind Struktur + Visuelles + Narrative. AI ist gut bei Struktur und Visuelles. Narrative ist schwer.
Das Muster: Je mehr emotionale Dimension ein Medium hat, desto schwerer wird es für AI.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Wenn du verstehst, wie AI Präsentationen erzeugt — dass es Struktur + Template-Zuordnung + visuelle Regeln ist — dann verstehst du auch, wie du die AI optimal nutzt.
Du gibst der AI Struktur vor: »Titel, Problem, Lösung, Beweis, CTA.« Du gibst ihr visuelle Richtung: »Vertrauen, nicht Kreativität«. Du gibst ihr Ton: »Energetisch, nicht formal.«
Und dann fügt die AI hinzu, was sie gut kann: Konsistenz, schnelle Iteration, visuelle Kohäsion.
Das ist optimale Zusammenarbeit: Du denkst, AI macht.
AI erzeugt Präsentationen durch Text-Verständnis, Layout-Generierung und visuelle Asset-Auswahl. Sie ist gut bei Struktur und Konsistenz. Sie kämpft mit Storytelling und emotionaler Orchestrierung.