Code mit Absicht
Du kennst jetzt das Prinzip. Code ist Gedanke in Maschinensprache. AI kann übersetzen. Aber wie nutzt du das für etwas, das dir wirklich nützt?
Die Magie liegt in der Beschreibung, nicht im Code
Hier ist der Schlüssel: Viele Menschen denken, dass guter Code das Ziel ist. Falsch. Das Ziel ist, dass dein Problem gelöst wird. Der Code ist nur das Mittel.
Deshalb ist das beste Prompting für Code nicht technisch. Es ist menschlich. Je besser du beschreiben kannst, was du brauchst, desto besser wird der Code.
Beispiel:
Schwacher Prompt: "Schreibe ein Python-Skript, das JSON liest" Starker Prompt: "Ich habe eine JSON-Datei mit Kundendaten (Name, Email, Kaufdatum). Ich möchte eine einfache Liste ausgeben, die zeigt: [Name] hat am [Datum] gekauft. Nur die Käufe aus diesem Monat."
Siehst du den Unterschied? Der schwache Prompt ist technisch. Der starke Prompt beschreibt DEINE ABSICHT. Was willst du am Ende sehen?
Drei Szenarien: Vom praktischen zum kreativen
Lass uns drei Szenarien anschauen, bei denen du AI für Code nutzen kannst.
Szenario 1: Eine persönliche Website
Das ist das einfachste. Du willst eine Website, auf der Besucher mehr über dich erfahren.
Schwacher Prompt: "Erstelle eine Website"
Starker Prompt: "Ich möchte eine einfache Website für meine Fotografiearbeiten. Oben soll ein großes Foto von mir sein, dann drei Abschnitte: Portfolio (mit 6 Bildern), Über Mich (kurzer Text), Kontakt (Email-Formular). Die Farben sollen warm sein, erdige Töne. Der Text soll auf Deutsch sein. Das Design soll modern und minimal sein — wenig Text, viel Raum."
Der starke Prompt funktioniert, weil er klar macht: wofür ist die Website? Wer soll sie sehen? Was ist der Ton? Welche Farben? AI kann mit konkreten Bildern arbeiten.
Szenario 2: Ein Datenskript
Du hast eine Datei mit Informationen, die du prozessieren möchtest.
Schwacher Prompt: "Schreibe ein Skript, das CSV in Tabelle konvertiert"
Starker Prompt: "Ich habe eine CSV-Datei mit meinen monatlichen Ausgaben (Datum, Kategorie, Betrag). Ich möchte ein Python-Skript, das: 1) Die Datei liest, 2) Summen pro Kategorie berechnet, 3) Das Ergebnis in einer schönen Tabelle ausgibt, mit der größten Kategorie oben. Kann es auch zeigen, wie viel Prozent jede Kategorie vom Total ist?"
Wieder: Deine Absicht ist klar. AI weiß, was du brauchst.
Szenario 3: Ein Automatisierungstool
Das ist schwieriger — aber möglich.
Schwacher Prompt: "Erstelle ein Skript, das Dateien automatisiert"
Starker Prompt: "Ich speichere jeden Monat Fotos von meiner Kamera in einen Ordner. Ich möchte ein Skript, das: 1) Alle Fotos durchgeht, 2) Nach Datum umbenennt (z.B. '2024-02-15-001.jpg'), 3) In Ordnern nach Monat organisiert ('2024-02-', '2024-03', etc.), 4) Doppelte löscht (wenn die gleiche Datei zweimal vorhanden ist). Ich nehme Python oder Bash, egal was einfacher ist."
Dieses Szenario zeigt: Auch bei komplexeren Aufgaben funktioniert es, wenn du klar machst, WELCHE Schritte du brauchst.
Der Checklisten-Ansatz
Hier ist ein einfache Methode, um gute Prompts zu schreiben:
1. Was ist das Endziel? (nicht: „Code schreiben", sondern: „Ich will, dass meine Fotos automatisch organisiert werden")
2. Was ist der Input? (Dateien? Text? Ein Formular?)
3. Was ist der Output? (Eine Tabelle? Eine Website? Ein Ordner mit sortierten Dateien?)
4. Was sind die Schritte? (Datei lesen → verarbeiten → speichern)
5. Gibt es Spezialfälle? (Nur Fotos von diesem Monat? Nur wenn der Betrag > 50€?)
Mit diese fünf Fragen hast du einen vollständigen Brief für AI.
Die Meta-Lektion: Es ist nicht über Code
Hier ist das Wichtigste, das du aus diesem ganzen Cluster mitnehmen solltest: Code ist nicht das Ziel. Lösung ist das Ziel.
In K01 haben wir gelernt, dass Text von AI gemacht werden kann. In K02 Musik. In K03 Bilder. In K04 Video. In K05 Code.
Das Gemeinsame ist nicht die Technologie. Das Gemeinsame ist die Absicht. Mit jedem dieser Tools hast du gelernt, dass deine Idee wichtiger ist als die Technik. Je klarer deine Idee, desto besser das Ergebnis.
Das ist nicht ein Kurs über Code. Das ist ein Kurs darüber, wie man sein Gehirn nutzt — und AI als Werkzeug — um Ideen wahr zu machen.
Du brauchst nicht Programmierer zu sein. Du musst nur wissen, was du willst. Der Rest ist Kommunikation.
Beschreib deine Absicht, nicht die Technik. Fünf Fragen = ein guter Prompt. Code ist das Mittel, nicht das Ziel. Deine Idee ist wichtiger als der Code.