Design mit klarer Absicht schaffen

Du hast experimentiert. Du hast gelernt, wie AI-Design funktioniert. Du weißt, wo es stark ist und wo schwach. Jetzt machst du den größten Schritt: Du erstellst ein Design mit einer echten Absicht. Mit einer konkreten Aufgabe. Mit einem Grund.

Die Macht der Absicht beim Design

Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen:

A) »Lass mich mal ein Design generieren und schauen, was passiert.« B) »Ich möchte ein Design erstellen, das für mein Seitenprojekt ein professionelles Logo ist — das Vertrauen ausdrückt und modern wirkt.«

Im ersten Fall experimentierst du. Im zweiten Fall machst du echte Arbeit.

Die Absicht ändert alles. Sie bestimmt, wie präzise dein Prompt sein muss. Sie bestimmt, welche Fehler du akzeptieren kannst und welche nicht. Sie bestimmt, wie viele Versionen du generierst, bis du zufrieden bist. Sie bestimmt, ob du danach noch handmanuell verfeinern musst.

Ein zufälliges cooles Design ist schön. Ein Design, das etwas Bestimmtes erreicht, ist kraftvoll.

Drei Real-World Szenarien mit schwachen und starken Prompts

Hier sind drei praktische Aufgaben. Wähle eine aus oder erfinde deine Variante. Für jede Aufgabe zeige ich dir einen schwachen Prompt und einen starken Prompt — damit du verstehst, was Absicht in der Praxis bedeutet.

Szenario 1: Logo für ein Seitenprojekt

Kontext: Du hast eine kleine Idee (vielleicht eine Coaching-App, ein Online-Shop, ein Creative-Studio). Du brauchst schnell ein professionelles Logo — nicht das perfekte, aber etwas, mit dem du dich zeigen kannst.

Schwacher Prompt: »Generiere ein Logo für einen Coach«

Warum schwach? Zu vage. »Coach« könnte alles bedeuten. Die AI generiert wahrscheinlich etwas Generisches (ein Mensch, ein Balken, ein Pfeil).

Stärker Prompt: »Ein minimalistisches Logo für einen Business-Coach. Farben: Dunkelblau und Weiß. Moderne, geometrische Formen. Das Logo sollte Vertrauen und Klarheit ausdrücken. Zielgruppe: mittlere Unternehmer. Keine Menschen, keine Clichés. Modernes Anwalt-Büro-Ästhetik, aber wärmer. Quadratisches Format.«

Warum stärker? Du sagst der AI nicht nur WAS (Logo), sondern auch WHO (Zielgruppe), HOW (Stil), und WHY (Vertrauen). Das leitet die AI-Generierung sehr anders.

Deine Aufgabe: Generiere dein Logo mit einem starken Prompt. Nutze Looka, Adobe Express oder Midjourney. Generiere mindestens 3 Versionen. Wähle die beste und notiere: Was hat dir an dieser Version gefallen? Welche Details stimmen? Welche stimmen nicht ganz?

Szenario 2: Social-Media-Kit oder Produktmockup

Kontext: Du brauchst ein visuelles Konzept für etwas, das du auf Social Media zeigen möchtest — vielleicht ein digitales Produkt, ein E-Book, ein Online-Kurs. Du brauchst ein professionelles Mockup oder Kit.

Schwacher Prompt: »Erstelle ein Design für ein E-Book«

Warum schwach? Keine Spezifizierung. Die AI weiß nicht: Für wen? Welches Thema? Welche Stimmung?

Stärker Prompt: »Ein modernes E-Book-Mockup für einen Guide über AI-Kommunikation. Cover-Design: Minimalistisch, cool, Farben Schwarz, Weiß, Neon-Orange. Typografie: serifenlose, große, mutige Schrift. Zielgruppe: Berufstätige, 30-50 Jahre. Das Design sollte »Zukunft« und »Klarheit« kommunizieren, nicht »Angst«. Softcover-Stil, moderne Grafik mit geometrischen Elementen.«

Warum stärker? Du gibst konkrete visuelle Beschreibungen, nicht nur Genre. Du sagst, welches Gefühl ausgedrückt werden soll — und welches NICHT.

Deine Aufgabe: Nutze Canva AI, Midjourney oder DALL-E, um ein Mockup für etwas Reales zu erstellen (etwas, das du tatsächlich zeigen möchtest). Der Prompt muss mindestens 3 Informationen enthalten: Thema, Zielgruppe, Stimmung.

Szenario 3: Visuelle Identität oder Konzept-Mockup

Kontext: Du möchtest verstehen, wie etwas Großes visuell aussehen könnte. Vielleicht ein Idealprojekt (wie würde eine ideale Coworking-Space aussehen?), oder eine Zusammenfassung deiner Brand-Idee.

Schwacher Prompt: »Erstelle eine schöne Arbeitsumgebung«

Warum schwach? Zu breit. Keine Constraints. »Schön« ist für alle anders.

Stärker Prompt: »Ein modernes, minimalistisches Coworking-Space Design. Elemente: helle Holztische, große Fenster mit Blick auf Natur, grüne Pflanzen, warme LED-Beleuchtung (3000K), weiße Wände, bunte Akzente (ein paar Designer-Stühle in Terracotta und Salbeigrün). Menschen sitzen konzentriert und entspannt. Ästhetik: Skandinavisch trifft auf Warm-Moderne. Tag-Licht durch große Fenster. Hochaufgelöst, Möbel-Fotografie-Qualität.«

Warum stärker? Du beschreibst nicht nur das Ziel, sondern auch die Atmos phäre, die Materialien, die Farben — und sogar die Emotionale Qualität. Das hilft der AI, genau das zu generieren, was in deinem Kopf ist.

Deine Aufgabe: Generiere ein Konzept-Mockup für etwas, das du realisieren möchtest. Nutze mindestens 5 spezifische Details in deinem Prompt.

Die Absicht-Checkliste: Fragen vor dem Generieren

Bevor du einen Design-Prompt schreibst, stelle dir diese Fragen:

1. WER ist der Betrachter?

  • Nicht »Menschen«, sondern: »Weiblich, 35-50, Fachkraft, hat Geld, möchte sich modern sehen«
  • Je spezifischer, desto besser die AI-Generierung

2. WARUM schauen sie sich das an?

  • Sollen sie Vertrauen fassen? Beeindruckt sein? Verstehen? Kaufen?
  • Die emotionale Absicht leitet die Ästhetik

3. WELCHE Gefühle soll das Design auslösen?

  • »Modern« ist zu vage. »Modern und vertrauenswürdig, nicht »futuristisch«« ist präzise.
  • Nenne auch, welche Gefühle du NICHT möchtest

4. WAS sind die visuellen Constraints?

  • Farben? Stil? Materialien? Format?
  • Limits machen die AI kreativ, nicht beschränkt

5. WIE unterscheidet sich das von Standard-Designs?

  • »Typischer« oder »einzigartig«?
  • Was macht es NICHT sein?

Die Iteration mit Intention

Jetzt, nachdem du einen starken Prompt geschrieben hast und die AI mehrere Versionen generiert hat, kommt der wichtige Teil: Deine Entscheidung.

Schau dir die generierten Designs an. Nicht alle werden gut sein. Manche werden zu Neon-Orange sein, manche zu Corporate, manche zu trendy. Das ist okay. Das ist das System.

Dann: Wähle nicht das »beste« Design. Wähle das, das am besten zu DEINER Absicht passt.

Das ist anders. Das beste Design im objektiven Sinne könnte nicht das richtige für deine Aufgabe sein. Du brauchst das Design, das DEINE Geschichte erzählt.

Notiere dir:

  • Welches Design hast du gewählt und WARUM?
  • Welche Details passen? Welche nicht?
  • Musst du nacharbeiten?
  • Wenn ja: Was genau musst du ändern?

Ein Gedanke zum Abschluss von Modul 1

Das war eine lange Reise. Du bist in Modul 1 angekommen als jemand, der vielleicht dachte: »AI ist beängstigend oder AI ist eine Spielerei.«

Jetzt, am Ende, weißt du etwas anderes. Du weißt, dass AI ein Werkzeug ist. Wie ein Hammer. Ein Hammer kann dir helfen, schneller zu bauen. Aber ein Hammer baut nicht allein. Der Builder (du) entscheidet, was gebaut wird.

Über alle sieben Cluster hinweg (K01 Text bis K08 Design) hast du gelernt: Die Magie ist nicht in der AI. Die Magie ist in DIR. Die AI ist schnell. Du bist intentional.

Das ist das Geheimnis, das große Unternehmen verstehen und kleine Organisationen nicht: Es geht nicht um die beste AI. Es geht darum, dass der beste Mensch sie richtig nutzt.

Du bist jetzt dieser Mensch. Du verstehst nicht nur, wie man Prompts schreibt. Du verstehst, WARUM man sie schreibt. Das ist die Grenze zwischen »Person, die ChatGPT benutzt« und »Person, die AI meistert«.

Modul 2 wird tiefer gehen. Es wird nicht um die Tools gehen. Es wird um dich gehen. Um deine Gedanken, deine Fragen, deine Absicht. Modul 1 war die Foundation. Modul 2 ist das Haus, das du drauf baust.

Ein Design mit Absicht zu schaffen bedeutet: verstehen, WER es sieht, WARUM, WELCHE Gefühle es auslösen soll, und DANN den Prompt schreiben. Das ist nicht Zauberei. Das ist Handwerk. Und Handwerk kann man lernen.

Die Theorie hinter AI-Design